Handgemachtes online verkaufen: der Leitfaden für Kunsthandwerker zur Wahl der Kanäle
Veröffentlicht am 9 Min. Lesezeit Das 123Ventes-Team

Sie töpfern Schalen, fertigen Schmuck, sieden Seifen oder nähen Taschen und möchten sie nicht nur auf dem Samstagsmarkt verkaufen. Die gute Nachricht: Für Kunsthandwerker war der Online-Verkauf noch nie so einfach. Die weniger gute: Zwischen Etsy, Instagram, Facebook, Google und dem eigenen Shop verliert man leicht den Überblick, und jeder Kanal kostet ein wenig Zeit oder Marge.
Dieser Leitfaden bringt Ordnung hinein: was jeder Kanal wirklich bringt, was er kostet und wie Sie sie kombinieren, ohne jeden Abend daran zu sitzen.
5 Fragen, die Sie sich vor dem Online-Verkauf stellen sollten
Bevor Sie ein Werkzeug wählen, nehmen Sie sich zehn Minuten für diese Fragen. Die Antworten entscheiden fast alles Weitere.
- Hobby oder Beruf? Ein paar Verkäufe, um das Material zu finanzieren, oder ein regelmäßiges Einkommen? In beiden Fällen brauchen Sie eine Gewerbeanmeldung, sobald Sie regelmäßig verkaufen, aber der Anspruch ist ein anderer.
- Wie viele Stücke pro Monat? Drei Unikate oder fünfzig gleiche Seifen verlangen eine ganz andere Organisation.
- Wie viel Zeit pro Woche? Fotos, Produktseiten, Pakete, Nachrichten: Rechnen Sie für einen kleinen Online-Verkauf mit mindestens zwei bis drei Stunden pro Woche.
- Lassen sich Ihre Stücke gut versenden? Eine Halskette passt in einen Umschlag, ein 15-Kilo-Krug deutlich weniger. Die Abholung in der Werkstatt kann dann alles ändern.
- Wer sind heute Ihre Kunden? Stammkunden vom Markt, Touristen, Instagram-Follower? Man verkauft immer zuerst an die, die einen schon kennen.
Schreiben Sie Ihre Antworten auf. Lesen Sie sie in sechs Monaten noch einmal: Sie zeigen Ihnen, ob Sie zu einem Kanal abgedriftet sind, der mehr kostet, als er einbringt.
Online oder auf dem Markt verkaufen: was sich wirklich ändert
Der Online-Verkauf ersetzt nicht den Kontakt in der Werkstatt oder am Marktstand. Er ist ein anderes Handwerk mit eigenen Regeln. Die wichtigsten Unterschiede:
| Auf dem Markt, in der Werkstatt | Online | |
|---|---|---|
| Der Kunde | Fasst an, wiegt ab, stellt Fragen | Sieht nur Ihre Fotos und Texte |
| Öffnungszeiten | Wenn Sie da sind | Tag und Nacht, sogar während des Brandes |
| Reichweite | Ihre Stadt, Ihre Region | Das ganze Land und darüber hinaus |
| Vertrauen | Ihr Lächeln und Ihr Stand | Bewertungen, Impressum, sichere Zahlung |
| Konkurrenz | Die Nachbarstände | Ein Klick genügt, um mit hundert anderen zu vergleichen |
| Zusätzliche Arbeit | Stand aufbauen, kassieren | Fotos, Produktseiten, Pakete, Nachrichten |
| Die Regeln | Die des Direktverkaufs | Die des Fernabsatzes: 14 Tage Widerrufsrecht in der EU, AGB, Schlichtungsstelle |
Merken Sie sich vor allem die erste Zeile: Online übernehmen Ihre Fotos und Texte die Arbeit Ihrer Hände. Dort entscheidet sich der Verkauf, egal über welchen Kanal. Tageslicht, ein schlichter Hintergrund und fünf Ansichten pro Stück reichen für den Anfang.
5 Wege, Ihre Kreationen im Internet zu verkaufen
Es gibt nicht den einen richtigen Kanal, sondern die richtige Kombination. Hier die fünf großen Familien, mit dem, was sie bringen und was sie kosten:
| Kanal | Was er bringt | Was er kostet | Gehören die Kunden Ihnen? |
|---|---|---|---|
| Marktplätze (Etsy…) | Besucher, die bereits Handgemachtes suchen | Etwa 13 % pro Verkauf bei Etsy | Nein |
| Soziale Netzwerke | Eine Gemeinschaft, Sichtbarkeit | Kostenlos, aber viel Zeit | Teilweise |
| Eigener Onlineshop | Ihre Regeln, Ihre Kundenliste, keine Provision | Ein festes Abo, ab 29,90 € im Monat | Ja |
| Google (Profil und Produkte) | Kunden, die in Ihrer Nähe suchen | Kostenlos oder pro Klick mit Google Ads | Ja, wenn sie in Ihrem Shop landen |
| Lokaler Verkauf (Abholung, Kommission) | Keine Pakete, treue Kunden | Fast nichts | Ja |
Schauen wir sie uns einzeln an.
1. Marktplätze: Etsy und die anderen
Ein Marktplatz ist ein Online-Einkaufszentrum: Die Besucher kommen wegen des Zentrums, nicht wegen Ihnen. Etsy ist für Handgemachtes der bekannteste; daneben gibt es Amazon Handmade und kleinere Marktplätze für Kunsthandwerker.
Ihre Stärke: Käufer, die bereits nach „Steinzeugbecher“ oder „handgemachter Silberring“ suchen. Ihre Schwäche: eine Provision auf jeden Verkauf, Regeln, die sich ohne Rückfrage ändern, und Kunden, die die Kunden der Plattform bleiben. Bei Etsy kostet eine Bestellung über 50 € einen in Frankreich ansässigen Verkäufer etwa 6,30 € Gebühren.
Ideal, um anzufangen oder ein Produkt zu testen. Die Gebühren über ein ganzes Jahr und ab wann sich ein eigener Shop lohnt, finden Sie in unserer Etsy-Alternative für Kunsthandwerker.
2. Soziale Netzwerke: Ihr Schaufenster, nicht Ihre Kasse
Instagram, Facebook, Pinterest, TikTok: Soziale Netzwerke sind perfekt, um Ihre Arbeit zu zeigen. Ein Blick in die Werkstatt, ein Stück, das aus dem Ofen kommt, Ihre Hände beim Nähen: Genau das sehen die Menschen gern, und das kann keine große Marke kopieren.
Dafür kümmern sie sich weder um den Bestand noch um Rechnungen oder Versandkosten. Nur über Direktnachrichten zu verkaufen bedeutet schnell: Überweisungen prüfen, dasselbe Stück zwei Personen versprechen, Abende am Handy. Die richtige Methode: Das Netzwerk weckt den Wunsch, der Shop kassiert. Jeder Beitrag führt zur Produktseite, wo der Kunde sicher bezahlt.
In Frankreich sind die Shops von Facebook und Instagram Schaufenster: Der Kunde sieht das Produkt in der App und schließt den Kauf auf Ihrer Website ab.
123Ventes: unbegrenzt viele Produkte, Zahlung per Karte und PayPal, Colissimo, Mondial Relay oder Abholung in der Werkstatt. 29,90 € im Monat, kostenlos testen ohne Zeitlimit.
3. Ihr eigener Onlineshop: wo Kunden zu Ihren Kunden werden
Ihr Shop ist Ihre Werkstatt mit eigenem Schaufenster: Ihr Domainname, Ihre Farben, Ihre Preise und vor allem Ihre Kundenliste. Wenn Sie eine neue Kollektion herausbringen, können Sie alle benachrichtigen, die schon bei Ihnen gekauft haben, ohne eine Plattform dafür zu bezahlen, dass sie Sie ihnen zeigt.
Die Kehrseite: Niemand kommt zufällig vorbei. Die Besucher bringen Sie selbst, über soziale Netzwerke, Visitenkarten, Etiketten, Ihren Stand und Google. Deshalb funktioniert ein Shop so gut zusammen mit den anderen Kanälen: Er ist der Ort, an dem sie alle zusammenlaufen.
Was Sie mindestens brauchen: gepflegte Produktseiten, sichere Zahlung, passende Versandarten, AGB und ein Impressum. Wie das für Ihr Handwerk aussieht, zeigen unsere Seiten für Schmuckdesigner, Töpfer und Keramiker oder alle Berufe, sowie unser vollständiger Leitfaden zum Onlineshop.

4. Google: gefunden werden, wenn gesucht wird
Wer „Keramikerin Pau“ oder „handgemachte Eselsmilchseife“ eintippt, will bereits kaufen. Es gibt drei Wege dorthin, zwei davon kostenlos:
- Das Google-Unternehmensprofil: Ihre Werkstatt auf Google Maps, mit Öffnungszeiten, Fotos, Bewertungen und dem Link zu Ihrem Shop. Kostenlos und oft der erste Kontakt eines Kunden aus der Umgebung.
- Kostenlose Produkteinträge: Mit einem Google-Merchant-Center-Konto können Ihre Produkte kostenlos im Shopping-Tab und in der Google-Bildersuche erscheinen. Google kann Preis und Verfügbarkeit auf Ihren Produktseiten auslesen.
- Google Ads: Anzeigen mit Bezahlung pro Klick, nützlich zum Beschleunigen, wenn sie sorgfältig eingerichtet sind: kleines Tagesbudget, genaue Suchbegriffe, und jede Anzeige führt zum passenden Produkt.
Und natürlich die organische Suche, die Sie Produktseite für Produktseite aufbauen: siehe die Suchmaschinenoptimierung Ihres Shops.
5. Lokaler Verkauf: der vergessene Kanal
Online verkaufen heißt nicht, alles zu verschicken. Viele Kunsthandwerker machen einen guten Teil ihrer Online-Umsätze mit Kunden … die zwanzig Minuten entfernt wohnen. Der Kunde bestellt und bezahlt online und kommt dann in die Werkstatt oder auf den Markt: kein Karton, kein Bruch, und oft wird vor Ort noch ein Stück mehr gekauft.
Dazu kommen Kommissionsverkauf bei einem benachbarten Geschäft, Kunsthandwerkermärkte und Tage der offenen Werkstatt: Der Onlineshop wird zum ständigen Katalog zwischen zwei Begegnungen. Abholung in der Werkstatt und lokale Lieferung erklären wir auf der Seite Versandarten.
Welche Kombination passt zu Ihrer Situation?
- Sie fangen an und niemand kennt Sie: ein Marktplatz, um entdeckt zu werden, ein Instagram-Konto, um Ihre Werkstatt zu zeigen. Eröffnen Sie Ihren eigenen Shop, sobald die ersten Kunden wiederkommen.
- Sie sind bereits auf Märkten: zuerst Ihr eigener Shop. Ihre Kunden suchen Sie über Ihren Namen: Schicken Sie sie nicht auf eine Plattform, die 13 % nimmt. Eine Karte mit der Shop-Adresse in jede Tüte, fertig.
- Sie haben eine Werkstatt mit Laden: der Onlineshop mit Abholung vor Ort, ein gepflegtes Google-Profil und ein Newsletter für Ihre Stammkunden.
- Sie verkaufen Verbrauchsprodukte (Seifen, Kerzen, Honig, Kosmetik): vor allem Ihr eigener Shop, denn Ihre Kunden kommen wieder, und jede Bestellung ohne Provision zählt.
Zwei gut gepflegte Kanäle sind mehr wert als fünf vernachlässigte. Wählen Sie einen, der Sie bekannt macht, und einen, der Ihre Kunden hält, und nehmen Sie erst dann einen weiteren hinzu, wenn beide laufen.
Preis, Fotos, Recht: drei Aufgaben für jeden Kanal
Egal welcher Kanal, drei Themen kommen immer wieder:
- Der Preis: Er muss Material, Ihre Zeit, Fixkosten, eventuelle Provisionen und Ihre Sozialabgaben decken. Berechnen Sie ihn pro Stück, bevor Sie einen Kanal wählen, nicht danach.
- Die Fotos: Tageslicht, schlichter Hintergrund, fünf Ansichten pro Stück. Ihr Smartphone genügt.
- Die Pflichten: Gewerbe, Impressum, AGB, Widerrufsrecht, Gewährleistung, Verbraucherschlichtung. Unsere Seite zu den tatsächlichen Kosten eines Onlineshops listet auch die Kosten auf, die man leicht vergisst.
Wer regelmäßig seine Kreationen verkauft, auch online und auch nur „als Zubrot“, übt eine berufliche Tätigkeit aus: In Frankreich braucht man dafür einen Status, oft den des Kleinunternehmers (micro-entrepreneur). Im Zweifel berät Sie die Handwerkskammer Ihres Departements (chambre de métiers et de l’artisanat) kostenlos.
Ihr Plan für den ersten Monat
- Woche 1: Wählen Sie zehn Stücke, fotografieren Sie sie am selben Ort, berechnen Sie ihren Preis.
- Woche 2: Eröffnen Sie Ihren Shop oder Ihr Marktplatzkonto, schreiben Sie die Produktseiten, richten Sie Zahlung und Versand ein.
- Woche 3: Erstellen oder vervollständigen Sie Ihr Google-Profil und Ihr Instagram-Konto, mit dem Link zu Ihrem Shop.
- Woche 4: Informieren Sie Ihre bisherigen Kunden (Markt, Werkstatt, Bekannte), legen Sie jedem Paket eine Karte bei und notieren Sie, woher die ersten Bestellungen kommen.
Die ersten Verkäufe kommen fast immer von Menschen, die Sie bereits kennen. Das ist normal und eine sehr gute Nachricht: Genau sie werden von Ihnen erzählen. Für mehr Besucher lesen Sie unsere Tipps, wie Ihr Shop bei Google gefunden wird.
Häufige Fragen
Welche Website ist die beste, um eigene Kreationen zu verkaufen?
Es gibt nicht die eine. Etsy ist praktisch, um entdeckt zu werden, nimmt aber etwa 13 % pro Verkauf. Ihr eigener Shop kostet ein festes Abo und Ihre Kunden bleiben Ihre. Die meisten Kunsthandwerker fahren am besten mit beidem, ergänzt durch Instagram oder Facebook als Schaufenster.
Kann man seine Kreationen ohne Gewerbe online verkaufen?
Gelegentliche Verkäufe privater Gegenstände, ja. Wer aber herstellt, um regelmäßig zu verkaufen, übt eine berufliche Tätigkeit aus: In Frankreich muss man ein Unternehmen anmelden, oft als Kleinunternehmer. Die Handwerkskammer berät Sie.
Was kostet ein Onlineshop für Kunsthandwerker?
Bei 123Ventes 29,90 € im Monat oder 319,90 € im Jahr, Hosting inklusive und ohne Provision auf Ihre Verkäufe. Hinzu kommen die Gebühren des Zahlungsanbieters, etwa 1 € bei 50 € Kartenzahlung, und auf Wunsch ein Domainname.
Kann man direkt auf Instagram oder Facebook verkaufen?
In Frankreich sind die Shops von Facebook und Instagram vor allem Schaufenster: Der Kunde sieht das Produkt in der App und schließt den Kauf auf Ihrer Website ab. Sie brauchen also einen Onlineshop, um Zahlungen anzunehmen.
Wie viel Zeit sollte man für den Online-Verkauf einplanen?
Rechnen Sie für ein kleines Geschäft mit zwei bis drei Stunden pro Woche: Produkte einstellen, Nachrichten beantworten, Pakete packen, in einem sozialen Netzwerk posten. Der Start braucht mehr, vor allem für Fotos und Produktseiten.
Fazit
Um Ihre Kreationen online zu verkaufen, müssen Sie nicht überall sein. Ein Kanal, um entdeckt zu werden, ein Kanal, um Ihre Kunden zu halten, und gute Fotos, die die Arbeit Ihrer Hände zeigen. Der Rest kommt mit den ersten Verkäufen.
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